Einstiege in die Systemtheorie


Weil die Systemtheorie versucht, die Weltkomplexität begrifflich zu reduzieren und die Vielfalt der Phänomene theoretisch zu erfassen, entwickelt sie sich selbst zu einem hochkomplexen Gebilde. Weil sie also eine Grundanforderung an Theorie – Komplexitätsreduktion – mit Akribie betreibt, gilt sie schnell als schwer zugänglich. Auch sind manch unspektakulär wirkende Begriffe an einer anderen Stelle bereits zu einer zentralen theoretischen Kategorie entwickelt worden. Das Verstehen des einen Begriffs verlangt wiederum die Kenntnis vieler anderer Begriffe. Diese zirkuläre Theoriearchitektur hat allerdings auch einen Vorteil. Die Systemtheorie kann auf vielen verschiedenen Wegen erschlossen werden. Ums Lesen kommt man allerdings nicht herum. Der hier vorgestellte Weg ist nur eine Empfehlung.

Als Lehrbuch zum Einstieg:


  • Kneer, Georg und Armin Nassehi (1993): Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. München. Wilhelm Fink Verlag.
    In diesem Lehrbuch werden zentrale Theorieelemente verständlich erklärt. Leicht kann so ein Gefühl entwickelt werden, worauf es in der Systemtheorie ankommt.

Alles in einem:


  • Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt a.M. Suhrkamp.
    Das Hauptwerk Luhmanns behandelt alle wichtigen Elemente seiner Theorie. Was an anderer Stelle vorbereitend entwickelt wurde, wird hier zusammengefasst. Dieses Buch – genauer die zwei Bände – ist nicht zwingend von Anfang bis zum Ende zu lesen. Ein klares Inhaltsverzeichnis und ein gutes Register eröffnen sehr viele Einstiege.
  • Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt a. M. Suhrkamp.
    Was für die Gesellschaft der Gesellschaft gilt, ist hier noch stärker zu betonen: Soziale Systeme beinhaltet tatsächlich den Grundriss von Luhmanns Theorie. (Noch) mehr als in seinen übrigen Schriften verzichtet Luhmann hier auf empirische Beispiele und widmet sich stattdessen der präzisen und ausführlichen Erläuterung zentraler Begriffe seiner Theorie. In diesem Sinne eignet sich der Band weniger für die durchgängige Lektüre denn als detailliertes Nachschlagewerk.

Zum Nachschlagen:


  • Jahraus, Oliver; Armin Nassehi; Armin Grizelj; Irmhild Saake; Christian Kirchmeier und Julian Müller (2012) (Hg.): Luhmann-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart/Weimar. J.B. Metzler.
    Ausführliches Handbuch zur Werkgeschichte der Systemtheorie und deren Rezeption.
  • Baraldi, Claudio; Giancarlo Corsi und Elena Esposito (1997)(Hg.): GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Frankfurt a.M. Suhrkamp.
    Anders als die Bezeichnung Glossar vermuten lässt, handelt es sich nicht um einen Einstieg in die Systemtheorie. Die Glossareinträge sind ausgesprochen dicht und bieten Lesern mit systemtheoretischen Vorkenntnissen einen kompakten Überblick über zentrale Begriffe aus Luhmanns Theorie.

Zum Schmunzeln:


  • Fuchs, Peter (20043): Niklas Luhmann – beobachtet. Wiesbaden. Verlag für Sozialwissenschaften.